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5 neue Bücher für mehr Lesezeit und weniger Bildschirmzeit

Wenn ich diesen Zeiten der Ausgangssperre etwas Positives abgewinnen will, dann ist es, dass ich nicht mehr durch äußere Verlockungen von meinen alten Hobbys wie zum Beispiel Lesen abgelenkt werde. Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt so viel im Alltag zwischen den Zeilen hing und gleichzeitig meine Bildschirmzeit so bewusst reduzieren konnte.

Bitte sehr, heute gibt es wieder einen Schwung Buchempfehlungen für euch.

1. Nena Schink: „Unfollow“

In 5 Wörtern: inhaltlich wichtig aber sprachlich mau

Das Thema ist so naheliegend und es hat seit der Gründung von Instagram 2010 bis heute gedauert, bis jemand es zum Buch gemacht hat. Das wirft Fragen auf. Haben wir erst heute überrissen, was das Social Network mit uns macht? Schnallen wir es erst, seit unsere Smartphones uns die Bildschirmzeit aufschlüsseln?
Erst mal zum negativen Teil meiner Kritik:
Ich finde das Buch sprachlich dürftig und an einigen Stellen musste ich den Kopf schütteln. Zum Beispiel beim Kapitel „Lästern 2.0“ (Seite 73 bis 77). Darin beschreibt Nena, wie sehr Instagram sie und andere User zum Lästern animiert. Am Ende des Kapitels verfasst sie eine „Notiz an sich selbst“: „Weniger lästern!“ Da musste ich schon sehr staunen. Braucht es wirklich ein Social Network dazu, um zu verstehen, dass Lästern keine Glanzleistung ist?
Für mich hat das nichts mit Instagram zu tun, sondern sollte in jedem normalen Wertesystem fest verankert und selbstverständlich sein. Von der Sorte gab es mehrere Stellen.

Nun zum Positiven: Das Buch hat mich auf jeden Fall zum Nachdenken über mein persönliches Instagram-Nutzungsverhalten angeregt. Im Kapitel „Dein Fragebogen zur Instagram-Nutzung“ listet die Autorin all die Fragen auf, die wir Instagram-Suchtis uns sicher schon hin und wieder selbst gestellt haben:
– Wieso teile ich mein eigenes Leben auf Instagram?
– Setzt mich Instagram unter Druck?
– Bieten mir die von mir abonnierten Accounts einen Mehrwert?
… und so weiter.

Manche kann ich für mich selbst klar und zufriedenstellend beantworten. An anderen knabbere ich noch.
Ich sehe „Unfollow“ trotz seiner Schwächen also als gekonnten Schubser in eine Gedankenblase, die dringend mal platzen muss.

2. Lina Mallon: „schnell.liebig“

In 5 Wörtern: schön, kann jeder Beziehungsmensch nachfühlen

Lina ist eine erfolgreiche Bloggerin, Kolumnistin, Fotografin und Podcasterin. „schnell.liebig“ ist ihr erstes Buch. Sie beschreibt darin ihr Liebesleben – von missglückten Tinderdates (sehr lustig!) über enttäuschte Erwartungen an vielversprechende Kerle bis zu ernsthaften Beziehungen. Die ersten 50 Seiten über war ich skeptisch. Mir kam das alles nicht authentisch vor, als würde sie sich und den Lesern vormachen, dass viele Dates und keine Beziehung total super seien. „Jetzt musst du die Kurve“ kriegen, dachte ich. Und sie kriegt sie schnell. Seite um Seite bekommt das Buch mehr Tiefgang, indem Lina immer mehr Schichten abträgt und sich schließlich ganz verletzlich zeigt. Ein schmerzliches Highlight ist das Kapitel „Niemand datet eine Vierzig!“ (Seite 97 bis 102), das tut beim Lesen richtig weh.
Hintenraus erlebt man eine Art Katharsis in Linas persönlicher Weiterentwicklung, die einen entspannt. Man atmet durch und das tut gut.

Ein gelungenes Buch. Und ich wette, jeder, der auch mal getindert hat (ähem, ich zum Beispiel), kann sooo viele Situationen genau nachempfinden.

3. Susanne Fröhlich: „Ausgemustert“

In 5 Wörtern: Achtung, kein Andrea Schnidt-Buch!

Auf den ersten Seiten dachte ich direkt: „Ok, dieses Buch ist das erste von Susanne Fröhlich, das ich ausmustere“. Ich hatte wegen der Umschlaggestaltung nämlich einen neuen Roman mit Andrea Schnidt als Protagonistin erwartet. Diese Romanreihe liebe ich und höre ich vor allem supergerne.
In „Ausgemustert“ geht es aber nicht um Andrea sondern um Ulrike, die von ihrem Mann ausgemustert wird, sich dann mit Tinder anfreundet und … weiter spoilere ich nicht.
Nach 50 Seiten habe ich Frieden mit dem Buch geschlossen und es zu Ende gelesen. Es ist witzig, enthält ein paar gute Denkanstöße für alle Frauen, die ab und an an ihrer Großartigkeit zweifeln, und für alle, die verheiratet sind.

4. Oyinkan Braithwaite: „Meine Schwester, die Serienmörderin“

In 5 Wörtern: nette Idee, leider komplett vorhersehbar

Dieses Buch ist nicht nur optisch anziehend, sondern auch der Klappentext macht Spaß. Es geht um ein Schwesternpaar. Die eine ist eine coole Schönheit und Serienmörderin, die andere ist ein Mauerblümchen und deckt die Mörderin. Dann lernt die Serienmörderin den Typen kennen, auf den ihre Schwester steht … den Rest kann man sich denken. Und genau das, was man denkt, passiert auch.
Das Buch kann sich meiner Meinung nach nicht entscheiden zwischen Familiendrama, Thriller und schwarzhumoriger Komödie. Wäre besser gewesen. Wo so viele Kritiker darin Feminismus entdeckt haben, ist mir auch schleierhaft. Wenn es schon ausreicht, Männer umzubringen oder sich gegen männliche Gewalt zu wehren, um als feministisches Buch zu gelten, dann gute Nacht.
Leider keine Empfehlung, auch wenn es sich in wenigen Stunden leicht und ohne Längen konsumieren lässt.

1. Chandler Baker: „The Whisper Network“

In 5 Wörtern: sicher kein Thriller, unnötig lang

Ein ganz schöner Schinken, dieses Buch über vier Frauen, die sich wegen sexueller Belästigung gegen ihren Chef zur Wehr setzen. Da ist viel #metoo drin, ein bisschen „Working Moms“ und „Sex and the City“. Vor allem ist das Buch aber zu langatmig, um ein richtig guter Krimi zu sein, oder liegt das an der Übersetzung, die irgendwie milchglasig wirkt? Ich glaube, man hätte diese Handlung auf 200 Seiten weniger viel packender und damit auch wirksamer gestalten können. Nur, weil ein Thema wie #metoo wichtig ist, muss man es nicht so auswalzen. Damit läuft man Gefahr, dass man auf dem Weg seine Leser verliert.
Fazit: Man kann es gut lesen, es ist unterhaltsam und zeitgeistig, aber kein großer Wurf.

Hui, mehr Verriss als Belobigung diesmal. Aber Ehrlichkeit ist beim Kritisieren wichtig.

Die letzten 3 Buchtipps findet ihr hier.
Hat jemand neuen Lesestoff für mich? Immer her damit!

*** Hinweis: Alle Bücher wurden mir als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt. Ich habe für den Artikel aber kein Geld erhalten.

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