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Baby Boy

Machen wir’s kurz: Ich habe Lust, hier wieder mehr zu schreiben. Eine ganze Zeit lang gab’s zwar viel Neues bei mir, aber ich habe es nicht geteilt, weil es zu privat war. Die Schwangerschaft, die Geburt, die erste Zeit mit Baby … alles irgendwie so intim, so schützenswert.

Das ist nach wie vor so, deshalb freut euch lieber nicht auf einen blutigen Bericht aus dem Kreißsaal oder Details zu seinem Windelinhalt. Ich habe aber vor, bestimmte Phasen, Momente und Gedanken, die mich immer wieder beschäftigen, hier zu behandeln. Es macht mir Spaß, solche Texte von anderen Mamas zu lesen, es hilft mir und vielleicht geht es euch ja hier genau so.

Diese Themen schwirren durch meinen Kopf und ich werde nach und nach alle durchgehen:

  1. Verheiratet und plötzlich werden alle unverschämt neugierig – charmant auf DIE Frage antworten
  2. Schwangerschaft, Ernährung, Sport, Zipperlein – und Meghans magic hand
  3. Geburt und das Danach – was ich alles gerne vorher gewusst hätte
  4. (Un)Nötige Anschaffungen für mich und für den Wurm
  5. Zeit zu zweit – nie mehr allein
  6. Was hilft gegen Verunsicherung? Bücher vs. Intuition
  7. Working Mom – da geht schon wieder was
  8. Schlafen – DAS Thema bei allen Eltern
  9. Ernährung und Sport – hallo After Baby-Julia
  10. Tipps und Druck – der Austausch mit anderen Mamas
  11. KiTa-Suche – der Place to be sind Wartelisten

Heute starten wir mit Thema Nummer 1:
Verheiratet und plötzlich werden alle unverschämt neugierig

Alle, die schon Kinder haben, wissen vermutlich, wovon ich spreche. Alle, die Kinder wollen oder keine Kinder wollen, dürfen sich auf was gefasst machen, oder wissen auch schon, wovon ich spreche.

Mein Gott, war das Gebaren mancher Personen nervig! Sobald man verheiratet ist, scheinen einem die Leute nur noch mit einem Gedanken im Kopf zu begegnen: „Sie muss jetzt jeden Moment schwanger werden!“ Woher kommt diese unbeschreibliche Neugierde auf etwas, was den anderen nicht nahestehenden Menschen kaum weniger tangieren könnte? Bitte erkläre es mir jemand :).

Hier meine drei Highlights der Indiskretion:
1. Rückkehr ins Büro nach der Hochzeit, Kollege fragt: „Und, bist du schon schwanger?“
2. Weite Bluse angezogen, Kollegin merkt an: „Also, man könnte jetzt meinen, du bist schwanger!“
3. Beste Aktion bei meinem Ausstand: Ein Kollege hängte tatsächlich seine Nase in mein Glas, um zu testen, ob ich denn auch brav Alkohol trinken würde (super Nase, by the way – ich hatte nix im Glas, der werte Kollege bemerkte aber „ganz klar Gin da drin“).

Für alle, denen ein paar Schuss Sozialkompetenz und Empathie fehlen, und sich jetzt denken: „Hä? Was ist denn da Schlimmes dabei?“ Schon klar, niemand meint solche Fragen/Aussagen böse … ich erkläre es euch trotzdem nochmal.

Das Baby-Thema ist sehr privat, ja sogar intim. Es findet zwischen dem jeweiligen Paar statt und nicht an einer Kaffeemaschine in einem Büro. Bei den wenigsten Paaren ist der erste Schuss ein Treffer, und selbst wenn sie so viel Glück haben, heißt das nicht, dass die Schwangerschaft automatisch glücklich verläuft. Gerade am Anfang gibt es so viele Abhänge und auch im frühen Stadium ist sowas unfassbar schmerzhaft. Weil ihr euch das jetzt bestimmt fragt: Nein, ich hatte keine Fehlgeburt und bin so unglaublich dankbar dafür. Ehrlicherweise hatte ich mich ganz nüchtern sogar ein bisschen darauf eingestellt, dass es passieren würde, weil die Wahrscheinlichkeit leider hoch ist.

In meinem Umfeld mussten nämlich über 50 Prozent der Frauen schon eine solche Erfahrung machen. Dazu kamen einige, bei denen der Weg zur Schwangerschaft sehr steinig war, weil es einfach erst gar nicht klappen wollte.

Der Kinderwunsch ist ein seit Beginn der Menschheit ganz tief in uns verankerter Wunsch, die Fortpflanzung ein fest verwurzelter Trieb. Wenn sich der Weg zur Schwangerschaft dann steinig gestaltet, will man einfach keine lapidar hingerotzten Kommentare oder Fragen zu einer etwaigen freudigen Erwartung hören, schon gar nicht von Personen, die einfach nur neugierig sind. Liebevolles Interesse von engen Bezugspersonen ist natürlich was anderes.

Versetzt euch da mal rein: Ihr versucht seit Längerem schwanger zu werden, es klappt nicht, vielleicht musstet ihr sogar schon eine Fehlgeburt, missglückte Versuche mit künstlicher Befruchtung oder Ähnliches durchstehen – und dann hält euch jemand, den ihr noch nicht mal auf der privaten Ebene besonders gut kennt, plötzlich ein Transparent vor Augen und darauf prangt ganz grell „Du müsstest jetzt mal schwanger werden“. Das sticht, das schmerzt, das ist unangebracht und unsensibel.

Also, lasst’s stecken. Man macht das einfach nicht. Man fragt Frauen nicht, ob sie schwanger sind oder Babys wollen oder sonst was in der Richtung. Man weiß nämlich nicht, was die Person im Privaten durchmacht. Punkt.

Übrigens kommentiert man auch nicht, wenn Frauen sich gegen Kinder entscheiden. Sie haben ihre Gründe und wenn sie sie mitteilen wollen, werden sie das tun. Es bedarf keiner Nachfrage.

Da die ganze Welt meinen Blog liest, ist das oben beschriebene Problem fortan Geschichte. Nicht. Deshalb hab ich hier noch ein paar Konter für euch, wenn ihr schon mal einen unangenehmen Kommentar zum Zustand eurer Gebärmutter erhalten habt und perplex dastandet.
Beim nächsten Mal sagt ihr davon was:

Ironisch kontern:
– Sobald meine Eier soweit sind. Sie sind sehr wählerisch, musst du wissen.
– Bis wann brauchst du eine Antwort?

Nüchtern zurückschlagen:
– Nicht, dass ich wüsste.
– Gerade nicht.

Deutlich werden:
– Du bist gerade in die letzte Gruppe derer gerutscht, die ich informieren werde.
– Es. geht. dich. nichts. an.

Oder eben ehrlich sein, wenn ihr dazu die Kraft habt:
Eins von sechs Paaren wünschen sich nichts sehnlicher als ein Baby, aber es klappt nicht. Vielleicht sind wir eins von sechs. Da du das nicht wissen kannst, solltest du keine solchen Fragen stellen, schon gar nicht neugierig-beiläufig, denn sie erzeugen Druck und können sehr verletzen.

So, tataa, da sind wir doch gleich mal hochemotional eingestiegen in die neue Ära auf diesem Blog, wa?

Ich freue mich auf eure Kommentare. Schreibt mir doch mal, wie beknackt ihr schon nach eurer Familienplanung gefragt wurdet und wie eure Antwort ausfiel.

Und gerne könnt ihr auch posten, zu welchen Themen ihr mehr lesen wollt.

2 Kommentare

  1. Dorothee Dorothee

    Vielleicht bin ich die Ausnahme, aber mir hat tatsächlich nie jemand ähnliche Fragen gestellt, die ich unangebracht fand. Weder nach der Hochzeit noch später, um nach weiteren Kindern zu fragen. Gute Freundinnen haben gefragt (unabhängig von Hochzeit, weiten Blusen oder Glasinhalt) – so erwarte ich es auch, denn ich teile ja auch meine anderen wichtige Lebensbereiche mit ihnen – und ebenso, wenn es mal länger nicht klappte, oder zu Fehlgeburten kam.

  2. Hallo liebe Julia, ich bin durch deinen Blogpost zum Gründungszuschuss auf dich aufmerksam geworden und bin inzwischen ebenfalls Freie Journalistin 🙂 Ich habe 4-jährige Zwillinge und freue mich auf deinen Blog rund ums Baby!

    Insbesondere meine Mutter hat leider auch viel zu oft nach „endlich noch ein Enkelchen“ gebohrt. Ich war sehr genervt davon, denn es war just eine lange Zeit, in der ich gar keine Kinder haben wollte. Mit 35 kam dann der Nestbautrieb und ich wollte unbedingt ein Baby – mein Mann war allerdings auch schon 55 …. also „hielten wir uns ran“ und bekamen Zwillinge – was für ein Segen! Der Durst meiner Mama war damit auch gestillt (nicht, dass meine zwei Geschwister nicht auch schon jeweils zwei Kinder gehabt hätten) und da sie selbst ein Zwilling ist, was sie umso glücklicher 😉 Aber ich habe ihr später noch mehrfach gesagt, dass mich die dauernde Frage nach Kindern damals sehr gestört hat. Sie hat sich dafür entschuldigt, das tat gut. Liebe Grüße Jennifer

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